Im Jahr 1989 fiel durch die friedliche Revolution in der DDR die unmenschliche Mauer, die vier Jahrzehnte lang Deutschland teilte. Dieser Prozess führte am 3. Oktober 1990 zum Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland. An die damit vollzogene deutsche Einheit erinnern wir uns seitdem an jedem 3. Oktober, der als Nationalfeiertag begangen wird.
In diesem Jahr dürfen wir nun schon auf 30 Jahre wiedervereintes Deutschland zurückblicken. Wie auch in vergangenen Jahren, lud der Pfarrverband zu einer gemeinsamen Gedenkfeier am Denkmal „Deutsche Einheit“ auf dem Rottland bei Werlaburgdorf ein. Am Vorabend des Feiertages, am 2. Oktober, machten sich bei recht stürmischem Wind ca. 80 Besucher auf den Weg zur Gedenkstätte.
Die Feierstunde wurde mit einer Andacht von Pfarrer Frank Ahlgrim eröffnet. Musikalisch unterstützt vom Posaunenchor Achim sangen wir das Lied: „Mauern überspringen, Freiheit spüren unbeschwert… Du stellst meine Füße auf weitem Raum, du gibst mir Atem, schenkst mir den Traum, von Gottes neuer Welt, wo jeder etwas zählt.“
Diesen Worten konnte man während der Predigt nachspüren. Zusammengewachsen sind wir in den 30 Jahren, auch wenn hier und da noch „kleine“ Mauern in den Köpfen der Menschen vorhanden sind. Das gilt gleichermaßen für West und Ost. Nicht immer nur schimpfen, sondern auch auf das schauen, was sich in der Vergangenheit zum Positiven verändert hat, auch einmal die viele kontinuierliche Arbeit der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft anerkennen, als diese immer nur abzuwerten. Nur so wird es uns gelingen, auch die letzten Mauern einzureißen. Nach einem gemeinsamen Gebet und dem Choral „Großer Gott, wir loben dich“ übergab Pf. Frank Ahlgrim das Wort an den Ortsbürgermeister von Werlaburgdorf, Tobias Schliephake. Er erinnerte sich an die Besuche als Kind bei seiner Oma in Hornburg, von der er die Geschichten rund um den Mauerbau erzählt bekam. T. Schliephake gehört zwar der Generation an, die die Teilung Deutschlands nicht aktiv erlebt hat. Er bekräftigte aber, dass er sich glücklich schätze, im EINEN Deutschland zu leben.
Die Feierstunde beschloss Frank Oesterhelweg, MdL, aus Werlaburgdorf. Auf seine Initiative hin wurde vor 10 Jahren die Gedenkstätte auf dem Rottland errichtet, die zusätzlich durch das aufgestellte Holzkreuz auch an die Vertriebenen aus dem II. Weltkrieg mit erinnern soll.
Ein Findling, zwei kleinere Steine rechts und links daneben symbolisieren die einstigen zwei Teile Deutschlands, die nun zu einem Teil zusammengewachsen sind. Einigkeit – Recht – Freiheit. Davor liegen verstreut 16 kleine Findlinge, die auf die 16 Bundesländer hinweisen. Erinnern, bewahren und weiter an der deutsch-deutschen Einheit arbeiten, dankbar sein und die Freude teilen, das drückte Frank Oesterhelweg mit seinen Worten aus.
Besonders schön war es, dass sich auch Vertreter aus dem ehemals grenznahen Raum aus Sachsen-Anhalt und Thüringen unter den Besuchern an diesem späten Nachmittag befanden.
Gehen wir also in die Zukunft und arbeiten wir mit Gottes Hilfe und unter seinem Schutz weiter an unserer Geschichte, die uns durch die aktuellen Probleme, sei es nun die Coronapandemie, die damit verbundenen wirtschaftlichen Einschränkungen, die Flüchtlingssituation u.v.m. immer wieder vor große Herausforderungen stellt. Gemeinsam können wir es schaffen… nicht immer nur schimpfen, auch auf das schauen, was erreicht wurde und noch erreicht werden kann und wird.



